Biomichl, Bio-Supermarkt in Weilheim

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Wer im Biosupermarkt im oberbayrischen Weilheim einkauft, ahnt vermutlich nicht, dass an diesem Ort eine kältetechnische Innovation für eine angenehme Raumtemperatur und perfekt gekühlte Waren sorgt. Denn hier sorgt eine CO2-Anlage in einem kleinen Betrieb für die richtige Klimatisierung von Räumen und Waren.

Verantwortlich dafür ist Öko-Landwirt und Betreiber des Marktes Michael Sendl. Kunden finden in seinem Geschäft neben Bio-Lebensmitteln auch Naturkosmetik und im angeschlossenen Bistro serviert man Gerichte für den kleinen und großen Hunger. Gut 65 Leute sind bei „Biomichl“ beschäftigt.

CO2 – nicht nur für Großanlagen

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Als man sich für eine Vergrößerung des Marktes entschied, interessierte sich Sendl für eine CO2-Kompakt-Anlage. Das ist ungewöhnlich, da CO2-Anlagen in der Regel mit schwer beherrschbaren Drücken arbeiten und deshalb in der Regel nur für Großanlagen geeignet sind – so zumindest die landläufige Meinung, von der Michael Sendl sich nicht beeindrucken ließ.

Nachdem er die passenden Partner für sein Projekt gefunden hatte, ging es an die Planung. Diese gestaltete sich bei einem Pilotprojekts wie diesem als aufwändig. Eine besondere Herausforderung stellte zum Beispiel der Umstieg auf eine Wasserkühlung beim Gemüsekühlregal dar. Hier entschied man sich für eine individuelle Lösung ohne Verdampfer. Oder die Kühlmöbel, die nicht für den Betrieb mit CO2 ausgelegt waren, mussten mit geeigneten Verdampfern nachgerüstet werden.

Die Montage der Anlage erwies sich im nächsten Schritt aber als deutlich problemloser als vermutet. So funktionieren CO2-Anlagen mit Rohren aus hochfestem Kupfer. Und auch die für die Umrüstung benötigten Komponenten der Kühlmöbel waren als reguläre Lagerware problemlos erhältlich. 

Lohnende Investition mit Fördermöglichkeit

Dass die Investition in eine CO2-Anlage teurer als klassische Verbundanlagen werden würde, war keine Überraschung. Dafür sind solche Anlagen im Rahmen des vom Bundesumweltministeriums aufgelegten Klimaschutz-Impulsprogramms für gewerbliche Kälteanlagen förderfähig. Doch einmal in Betrieb, erwies sich die Anlage Dank des klimafreundlichen Kältemittels nicht nur für die Umwelt als Gewinn. Sendl, der mit dem Umbau die Fläche seines Supermarktes verdoppelte, verbraucht dank der neuen Anlage nur 20 Prozent mehr Energie – und das, obwohl gleichzeitig auch noch eine neue, große Küche in Betrieb genommen wurde. Das liegt auch daran, dass der Biomarkt-Betreiber nicht nur an die Klimatisierung der Räumlichkeiten und die Kühlung seiner Waren gedacht hat, sondern seinen Supermarkt und die angeschlossenen Wohnungen als energetisches Gesamtsystem betrachtete. So versorgt die fertige Anlage heute 34 Kühlstellen im Markt und nutzt zugleich die Abwärme ebenfalls wieder für den Markt und die darüber liegenden 14 Wohnungen mit Brauchwasser und Heizung.

Konsequent ökologisch gedacht

Der ökologische Gedanke beschränkt sich bei Biomichl übrigens nicht nur auf die Kältetechnik. Auch in anderen Bereichen des Supermarktes spielt Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle: So besteht der Bodenbelag im Markt aus Rapsöl mit Kreide, eine LED-Beleuchtung sorgt für angenehmes Licht und im Sommer wird das Raumklima mit Hilfe von Brunnenwasser gekühlt.